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Hundetraining ist beim Hund sowie auch beim Menschen stets mit Emotionen verbunden. Während heute gottseidank in vielen Hundeschulen bewusst darauf geachtet wird, dass Hunde positive Emotionen mit dem Training verbinden, bleibt der Mensch im Training leider auf der Strecke.

Ein simples „Sitz“ das nicht klappen will. Oder das Fusslaufen, dass gestern noch so gut lief, geht heute gar nicht. Die Emotion des Hundebesitzers kippt früher oder später ins Negative. Frust, Wut, Trauer, das sind alles Gefühle die wir dann empfinden. Aber woher kommen diese Gefühle?

Sind wir wirklich frustiert und wütend auf unseren Hund? All diese Emotionen haben in den allermeisten Fällen gar nichts mit unserem Hund und dessen Verhalten zu tun, sondern ganz stark mit uns selbst. Sie lassen uns schlecht dastehen, geben uns das Gefühl wir hätten zu wenig geübt, Fehler gemacht, wir wären nicht in der Lage unsere Hunde zu führen oder wir hätten keine Bindung zu unserem Hund.

Ich erlebe dies so häufig, dass sich Menschen unnötig selber abwerten und sich keine Fähigkeiten mehr zuschreiben. Sie geben sich ( unbewusst) selber die Schuld und fühlen sich unfähig, hilflos und schämen sich. Und so entsteht ein Teufelskreis. Je mehr ich mich selber unzulänglich fühle, umso stärker strahle ich dieses Gefühl natürlich auch aus und unsere Hunde sind sehr feinfühlige Wesen. Sie spüren unsere Unsicherheit, unser Zweifeln und können sich in diesem Moment auch nicht an uns anlehnen, geschweige sich bei uns in Sicherheit fühlen. Dementsprechend agieren sie selbstständiger und wir erreichen sie weniger. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr neben einem Menschen steht, der sich gerade extrem ärgert oder sehr unzufrieden oder ängstlich ist? Das macht etwas mit uns, und genauso mit unseren Hunden.


Es ist nicht das „Sitz“ welches nicht klappt oder das „ Fuss laufen“ welches mein Hund heute anscheinend vergessen hat, welches uns emotional so aufwühlt. Es ist die Art und Weise wie ich dies interpretiere und welches Gewicht ich diesem „Fehlverhalten“ gebe, was es für mich so schlimm macht. Unsere Hunde haben verschiedenste Gründe, weshalb sie ein erwünschtes Verhalten nicht ausführen können und natürlich ist die Grundvoraussetzung, dass ich als Mensch dies genügend häufig und in verschiedenen Kontexten übe. Natürlich ist es wichtig, dass mein Hund das erwünschte Verhalten positiv empfindet. Aber davon abgesehen, bin ich als Mensch mit meiner Stimmung und meinem Selbstwertgefühl maßgeblich daran beteiligt, wie das Training mit meinem Hund funktioniert.

In erster Linie ist es wichtig, solche Vorgänge bei sich selbst zu erkennen. Beobachte dich selber stets gut wenn du mit deinem Hund unterwegs bist, was fühlt sich gut an, was nicht. Versuche herauszuspüren was ein „Fehlverhalten“ bei dir selber auslöst, unabhängig vom Hund. Ich arbeite hier gerne mit einem gedanklichen Stoppsignal. Sobald du fühlst, dass die negativen Emotionen aufsteigen, drückst du gedanklich deinen Stoppknopf. Dies kann ein Wort sein, welches du zu dir sagst. Es kann aber ebenfalls eine Berührung an deinem Körper sein, welche du als „Stoppknopf“ verwendest. Sobald du den „Stoppknopf“ gedrückt hast, hast du den grössten und schwierigsten Teil bereits hinter dir. Nach dem Stopp versuchst du bewusst deinen Körper zu entspannen, atme ruhig mehrmals in den Bauch, lass deinen Körper schwer werden. Du kannst dir auch vorstellen, dass du Wurzeln in den Boden schlägst, wie ein Baum der tief verwurzelt ist. Spüre danach nach, wie du dich nun fühlst. Bei manchen Menschen reichen hier wenige Sekunden, andere benötigen ein paar Minuten bis sie wieder bei sich sind. Egal wieviel Zeit du benötigst, nimm sie dir. Dein Hund hat in dieser Zeit eine Pause. Lass ihn schnüffeln, streu ein paar Leckerchen, so könnt ihr beide gemeinsam runterkommen.

Wenn du wieder entspannt und ruhig bist, kannst du nun entscheiden ob du die Übung welche vorher nicht geklappt hat, nochmals probieren möchtest. Es ist auch völlig in Ordnung, wenn du dich entscheidest erst später die Übung zu wiederholen. Solange du sie irgendwann wiederholst 😉


Manchmal liegt der Schlüssel zu erwünschtem Verhalten gar nicht so sehr beim Vierbeiner, sondern beim Zweibeiner der alles gibt um seinem Hund ein tolles Leben mit allem was er braucht zu ermöglichen, und sich selber dabei vergisst. Wenn es dir gut geht, du dich wohlfühlst und verstehst was in dir selber geschieht und auch auf deine Bedürfnisse achtest, dann ist der Alltag mit deinem Hund bereits um ein vielfaches entspannter.


Ich sage meinen Kunden immer: „ Jeder kriegt den Hund, den er braucht.“ Wenn wir dies einmal so annehmen und uns etwas damit beschäftigen, merken wir schnell, dass wir von unseren Hunden sehr viel lernen können. Sie zeigen uns auf, wo wir als Mensch noch an uns selbst arbeiten dürfen. Sie sind unsere Lehrmeister und wenn wir dies erkennen, wird jedes Training und jede Schwierigkeit zum Geschenk an uns selbst.


Chantal Stricker, Pfotenbande RundumHund

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Aktualisiert: 6. März 2023














Sitz und Platz sind aus der Hundeerziehung nicht mehr wegzudenken. Häufig sind diese beiden Übung, die ersten überhaupt, die ein kleiner Welpe lernt. Die frischgebackenen Hundeeltern sind berechtigt sichtlich stolz, wenn ihr kleiner Zwerg diese Signale kennt und sich mit bettelnden Hundeaugen Richtung Leckerli, tollpatschig und süss hinsetzt oder hinlegt.

Aber wieviel Sinn machen diese Übungen, Sitz und Platz, überhaupt? Wofür sind diese Signale denn eigentlich gedacht?

Grundsätzlich wollen wir mit diesen Signalen erreichen, dass unser Hund ruhig und ohne aufzufallen neben uns oder auf Distanz wartet. Gerne hätten wir, dass sich unser Hund währenddessen entspannt. Und da beginnt bereits das Problem.

Entspannung kann nur geschehen, wenn sich der Betroffene wohlfühlt, körperlich und geistig.

Viele Hunde setzen sich nicht gerne auf den kalten oder nassen Boden. Einige haben sehr kurzes Fell und da ist die Isolierung schlicht nicht da und der Hundepo oder Bauch wird schnell kalt. Seid ihr mal in Unterwäsche im Winter raus? Ungefähr so muss es sich für Hunde ohne Unterwolle auf dem kalten oder nassen Boden anfühlen.

Dann gibt es Hunde die aufgrund Verspannungen oder anderen Thematiken Schmerzen beim Sitz oder Platz haben. Das kennen wir doch auch von uns Menschen?

Ebenfalls gibt es Hunderassen die aufgrund der überzüchteten und unnatürlichen Körperform einfach nicht gut sitzen oder Platz machen können, der Körper ist nicht für diese Positionen gemacht.

Und nicht zum Schluss wäre ja auch noch der individuelle Trainingsstand des Hundes zu hinterfragen. Kann mein Hund bereits unter Ablenkung so lange ohne Beeinflussung sitzen bleiben oder sich hinlegen? Wie oft habe ich dies tatsächlich in solchen Situationen geübt?

Und dann gibt es noch einen Punkt der leider vielen Hundehaltern nicht bewusst ist und meiner Meinung nach durch die Vereine und Hundeschule auch zu wenig Aufklärung besteht. Handlungen, also auch unsere normalen Übungen aus der Hundeerziehung, sind immer mit entsprechenden Emotionen verknüpft.

Wenn wir das Sitz und Platz immer so trainieren, dass der Hund direkt nach dem Auflösen oder teilweise sogar noch in der Übung, ein Leckerchen erhält, verknüpft der Hund mit dem Signal eine Erwartungshaltung auf Futter, Spiel, Spass etc. Das ist grundsätzlich auch in Ordnung, bei Signalen und Übungen in welchen wir auch eine Erwartungshaltung, viel Motivation und Spannung möchten. Wenn wir uns aber eine entspannte Haltung des Hundes wünschen, ist dies kontraproduktiv. Der Hund setzt sich zwar unverzüglich hin, schnell wird er aber zappelig, steht immer wieder auf, beginnt allenfalls zu winseln oder sogar zu bellen. Alles andere als entspannt warten.

Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass Leckerchen falsch in der Erziehung seien und gerade bei jungen Hunden ist die Belohnung für ein zuverlässiges Verhalten wichtig, aber wenn es um Verhaltensweisen geht welche wir mit Entspannung und Entschleunigung verknüpfen möchten, sind Leckerlis keine ideale Form der Belohnung. In vielen Fällen ist die Erwartungshaltung bei einem Sitz oder Platz sogar erwünscht und hat absolute Berechtigung. Nur leider nicht, wenn wir uns ein ruhiges abwarten vom Hund erwünschen.

Was können Hundehaltende also tun um ihrem Hund das ruhige und entspannte Warten einfach zu machen?

Einerseits lohnen sich Pausensignale welche nicht durch Leckerchen belohnt werden und dadurch tatsächlich Ruhe und Entspannung vermitteln. Es lohnt sich ebenfalls, dem Hund ein Mitspracherecht einzuräumen.

Als Beispiel nehme ich gerne meine 6 Hunde. Alle unterschiedliche Rassen, Retrievermischling, Bordercolliemischling, Deutscher Schäferhund und Rhodesian Ridgebacks. Alle Hunde haben eine unterschiedliche Fellausprägung mit mehr oder weniger Unterwolle. Zudem bringen sie verschiedene genetische aber auch persönliche Aspekte mit, welche sich bei verschiedensten Situationen zeigen. Der Bordercollie legt sich gerne und schnell hin, Sitz findet er doof. Der Schäferhund findet Sitz soweit ok, aber nicht lang, da legt er sich dann auch schnell hin. Der Retrievermix hat aufgrund seines hohen Alters teilweise Schmerzen im Bewegungsapparat welche sich beim Sitz oder Platz verschlimmern, zuhause im Körbchen oder auf der Couch ist dies kein Problem da der Untergrund weich ist. Die Rhodesian Ridgeback Damen haben keine Unterwolle, ein sehr dünnes Fell und sind daher sehr anfällig für Kälte und Nässe. Im Sommer und wenn es trocken ist, sitzen sie natürlich gut und legen sich auch ab. Im Winter oder bei Nässe kriegst du den Ridgeback Po schlicht nicht auf den Boden und ich möchte dies nicht erzwingend.

Wie bereits erwähnt, soll sich der Hund rundum wohlfühlen um entspannt zu sein. Meine Lösung; ich habe ein Pausensignal und ein Wartesignal. Die Kernbotschaft lautet schlicht, warte dort bis ich dich wieder auflöse. Ob meine Hunde dies sitzend, liegend oder stehend tun, ist mir schnurzpiep egal. Und da jeder Hund ein Mitspracherecht hat, und selber entscheiden darf, in welcher Position er wartet, habe ich eine sehr gute Zuverlässigkeit und tatsächlich entspannte Hunde. Das Pausensignal nutze ich für längere Wartezeiten, wenn ich mit jemandem ein Gespräch führe oder auch im Restaurant. Das «Warten» nutze ich für kurze Situationen, dann auch häufig wenn ich mal kurz weggehe aber gleich wieder komme.

Also überlege dir, in welcher Situation benötigst du Sitz und Platz tatsächlich. Welche Emotion steckt bei deinem Hund hinter dieser Handlung? Welche Möglichkeit hast du, anstelle des Sitz oder Platz? Mit einigen wenigen Veränderungen erreichst du bereits dein Ziel, ein entspannt wartender Hund. Abgesehen davon bist auch du als Hundehalter entspannter, es gibt auch dir mehr Freiheit. Du darfst nur noch schauen ob dein Hund wartet und musst nicht zusätzlich darauf bedacht sein, dass er seine Position Sitz oder Platz auch beibehält. Für beide Parteien bedeutet dies bedeutend weniger Stress.


Fazit: Sitz und Platz sind meist mit einer Erwartungshaltung verbunden und eignen sich eher wenig für Situationen in welchen dein Hund zur Ruhe kommen oder entspannt neben dir warten sollte. Zudem sind Hunde unterschiedlich in ihren Vorlieben und Eigenschaften, nicht jeder Hund macht gerne Sitz oder Platz in jeder Situation. Wenn wir uns auf das Wesentliche, nämlich das ruhige warten beschränken, erreichen wir eine hohe Zuverlässigkeit.

Sitz und Platz haben dennoch ihre Berechtigung in vielen anderen Übungen, im Sport und in etlichen Situationen und dürfen mit einer Erwartungshaltung verbunden sein. Man beachte hier einfach die unterschiedlichen Hundetypen und allenfalls körperliche Beschwerden oder Einschränkungen.



Für Tipps und Anleitungen bezgl. Pausensignal und Wartesignal darfst du dich gerne melden.


Chantal Stricker, Pfotenbande

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Ich bin in den letzten Monaten vermehrt angefragt worden, ob ich SUP mit Hund Kurse anbiete. Leider muss ich dies verneinen und würde die Gründe dazu gerne genauer erläutern.


Stand up paddling mit Hund ist seit wenigen Jahren ein Trend in der Hundewelt. Die Ruhe der Natur geniessen, auf dem Wasser paddeln oder gemütlich treiben lassen, einfach mal Sein. Dies hört sich für manchen Zweibeiner wie eine Kur für Seele und Geist an und ich kann mir vorstellen, dass SUP eine entspannende Möglichkeit ist, um aus dem Alltag auszubrechen und mal abschalten zu können. Ich kann die Anziehungskraft dessen auf den Menschen durchaus nachvollziehen.


Ob SUP für den Hund allerdings eine geeignete Beschäftigung ist bezweifle ich. In erster Linie muss der Hund sich nämlich ruhig auf dem Board verhalten, er sollte sitzen, liegen oder stehen aber auf keinen Fall laufen oder zappeln um das Board und den dazugehörigen Zweibeiner nicht zum Kentern zu bringen. Natürlich ist es wünschenswert, dass sich unsere Hunde auch mal ruhig verhalten können, aber beim SUP ist man doch einige Zeit unterwegs. Durch die Bewegung des Wassers schwankt das Board, mal weniger, mal mehr, was für den Hund auch körperlich anstrengend ist. Er muss permanent ausbalancieren und dies möglichst im Stillstand. Für junge Hunde, ältere Hunde oder allgemein untrainierte Hunde sind die Folgen davon schmerzhafte Verspannungen und Muskelschmerzen. Abgesehen davon, gehe ich davon aus, dass wenn ich einen Kurs mit meinem Hund buche, ich meinem Hund dadurch auch etwas bieten kann was ihm Freude macht, was ihn beschäftigt oder ihm zumindest gut tut. Obwohl viele Hunde, uns zuliebe solche Aktivitäten mitmachen, glaube ich dennoch, dass es kaum einem Hund Spass macht, so lange Zeit regungslos auf einem Board zu verweilen. Wir haben ein Überangebot von Beschäftigungs- und Auslastungsmöglichkeiten für unsere Hunde welche auch für den Hund gewinnbringen sind und seine Fähigkeiten fördern oder seiner Genetik entsprechen. Nutzen wir doch diese anstatt vermeintlich gut gemeinte Angebote zu nutzen, welche eigentlich nur uns als Mensch Spass machen.

Und wenn wir unseren Hund seinen Interessen entsprechend auslasten und auch trainiert wurde, dass er mal 1-2 Stunden alleine zuhause sein kann, steht dem SUP Spass und der Entspannung, ganz alleine für mich als Mensch, nichts mehr im Weg.


Chantal Stricker, Pfotenbande RundumHund

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